Nochmal zu Heilpraktikern: Ausbildung und Prüfung

Die Ausbildung zum Heilpraktiker ist leider bundeseinheitlich geregelt: nämlich gar nicht. Es gibt keine Ausbildungsordnung! Im Prinzip kann sich jeder zur Prüfung anmelden. Es gibt aber mehr oder weniger renommiertere private Schulen, deren Lehrprogramm allerdings uneinheitlich ist und (an die Prüfungspraxis angepasst) einen geringen Praxisanteil hat.

Anders sieht es mit der Prüfungsordnung aus: Vor dem für den Wohnort des Prüflings zuständige Gesundheitsamt sind eine schriftliche und eine mündliche Prüfung anzulegen. Die schriftlichen Prüfungen sind bundesweit identisch (bis auf das Gesundheitsamt Husum) und wahrlich bescheuert formuliert. Sie enthalten fast ausschließlich wissenschaftsmedizinische und rechtliche Fragen, üblicherweise verpackt in eine Art doppeltes multiple-choice. Beispiele auf Anfrage, sich vorher von Tischkanten entfernen. Die mündlichen Prüfungen sind nicht stadardisiert und werden so uneinheitlich gehandhabt, so dass einige Prüflinge sogar zeitweise den Wohnsitz wechseln, um nicht bei einem „schweren“ Amt geprüft zu werden.

Bei Absolventen der besseren Schulen ist die Durchfallquote erheblich geringer, als bei Menschen, die sich den Stoff im Selbststudium angeeignet haben. Die von Stefan genannten 80% sind für die letzteren der meistgenannte Wert. Verlässliche Quellen gibt es dazu m.W. keine, da die Gesundheitsämter die entsprechenden Zahlen wohl nicht veröffentlichen.

Schon aus dem Gesagten ergibt sich viel Stoff für politische Programme. Sollten sich die PIRATEN diesen Bereich ernsthaft erschließen wollen, dann wäre es wichtig, auch die geplanten Neuregelungen auf europäischer Ebene und die damit verbundenen Unsicherheiten für diesen Berufsstand in die Betrachtung einzubeziehen.