Was Du nicht willst…

Die zur Zeit allabendlichen Buvo-Grillen im Mumble soll uns helfen, uns gemeinsam ein Bild über die Befragen zu machen. Das besondere und niederschwellige Medium bringt dabei etwas ein, das weder standardisierte Fragebögen, noch Real-Life-Treffen, noch asynchrone Befragungen über grillerrr, Wiki oder Mail können – ohne irgendeine dieser Möglichkeiten zu ersetzen.

Unser Bild von den Kandidierenden kann sich aus Dingen formen, die sie sagen, aus Dingen, die sie nicht sagen, und auch aus der Art und Weise, wie sie mit bestimmten Gesprächssituationen umgehen. Deswegen spiele ich ihnen gleichermaßen Bälle zu, stelle kritische Fragen und lasse manche manche Diskussionen mit dem Saalmikrofon länger laufen, als das inhaltlich erforderlich ist – wenn sie nämlich neue Facetten der Kandidierenden beleuchten. Und ich überlege bei meinen Fragen – und bei denen, die ich aus dem Pad nehme – stets:

Hilft diese Frage uns jetzt und hier weiter, etwas Neues über die befragte Person herauszubekommen?

Wenn nein, darf sie ungestellt bleiben. Von mir. Und auch von euch. Soll die Frage hingegen gestellt werden, hat der Mensch am anderen Ende der Leitung Anspruch darauf, dass wir sie respektvoll stellen. Dieser Mensch mag andere Ansichten haben als wir. Er mag sie auf andere Weise vertreten, als wir es gut finden. Aber es ist ein Mensch. In den meisten Fällen dürfen wir davon ausgehen, dass dieser Mensch – aus seiner Sicht – das Beste für die Piraten will. Es ist Zweck des Gesprächs, dass ihr herausfinden könnt, ob ihr seine Ansicht teilt oder nicht – letztlich, ob ihr diesen Menschen in Halle in ein Amt wählen wollt oder nicht. Es ist nicht Zweck, über diesen Menschen zu richten, ihn vorzuführen oder unsere eigene Position darzustellen.

Man kann natürlich sagen: Es ist auch spannend, zu sehen, wie Kandidierende sich unter Stress verhalten. Das mag sein. Dann setzt sie mit Fragen unter Stress. Aber auch das geht mit Respekt. Bereits gestellte Frage nur einfach noch einmal umformuliert oder in einer derberen Weise zu wiederholen, hilft wenig. Bringt einen neuen Aspekt ein, weist auf Widersprüche zum gerade gesagten oder zu Handlungen und Äußerungen der befragten Person hin – die ihr bitte aus erster Hand kennt – oder denkt euch sonstwas neues aus. Und formuliert euren Punkt prägnant, ohne dabei zu verletzen. Konzepte wie gewaltfreie Kommunikation sind keine Weichspüler, sondern einfache Techniken, sich kontrovers über Themen auseinanderzusetzen, anstatt einfach nur auf den Kopf gegenüber loszugehen.

Piratiges Menschenbild anyone?
Hier bei der Befragung können wir das schon mal üben.

Wortbeiträge, die vom Befragten als „ad hominem“ verstanden werden und solche, die rein der Eskalation einer Spannungssituation dienen, sind weder zum Fortkommen der Piraten hilfreich, noch dienen sie dem Zweck des Grillabends. Ich behalte mir in dieser Situation vor, aus der Moderationsrolle heraus Tatsachenentscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Die Kriterien dafür stehen oben.

Und ihr kennt sie auch. Seit 1785.

Was Du nicht willst, dass man Dir tu,…

Wir sehen uns beim Grillen.

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2 Gedanken zu „Was Du nicht willst…

  1. Kann man Dich buchen? Auch jenseits der Piraten? Direkt soll das u.a. heißen: Zustimmung, Du machst das prima und bereitest es hier auch sehr gut vor!

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